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Kiwi, Kiwi und Kiwi – die wahre Geschichte eines Namens

Kiwi-Vogel straßenschild in Neuseeland

Unsere Mädchen sind verwirrt: Die Frucht, der Vogel und ein Bewohner Neuseelands heißen alle gleich: Kiwi. Doch im Kiwiland sollte man die Unterschiede lernen und verstehen. Auf geht’s!

Am Anfang war der Vogel: The Kiwi Bird

Ein Kiwi-Vogel beim nächtlichen Futtersuchen
Ein Kiwi-Vogel beim nächtlichen Futtersuchen

Die Kiwi-Vögel sind Ausgangspunkt des ganzen neuseeländischen Namenswirrwars. Sie waren definitiv zuerst da, noch lange bevor die Menschen kamen. Sie sind die wahren Ureinwohner Neuseelands, lebten zufrieden, zahlreich und frei von Feinden auf den zwei großen Kiwi-Inseln. Wozu fliegen oder sprinten, wenn niemanden gibt vor dem man abhauen muss? Sie sind so ruhig drauf, dass sie den ganzen Tag verschlafen und erst des nachts mit ihrem langem Schnabel den Boden durchlöchern auf der Suche nach Essbarem, das unter der Erde kreucht und fleucht.

So stocherten und pfiffen sie mit heißer Stimme durch die Nacht und ahnten noch nichts von ihrem Namen: Kiwi (oder Schnepfenstrauße).

Dann kamen braungebrannte Maoris mit einem großen Kanu aus der polynesischen Südsee gesegelt – irgendwann im 13. Jahrhundert, während Marco Polo sich nach Asien und die Mongolen nach Europa durchschlugen. Die Neuankömmlinge waren wild darauf, allen Dingen in ihrem neu entdeckten Land einen Namen zu geben. Das Land tauften sie Aotearoa und sämtlichen Flüsschen, Buchten und Orten gaben sie Namen, die mir die ganze Reise lang Kopfschmerzen bereiteten. Naja, und dieser komische Bodenvogel bekam den Name Kiwi und gleich noch eine seine persönliche Legende mit ab. Lauschet!

Als der Tanemahuta – der Herr des Waldes – bemerkte, dass das Bäume krank werden von Käfern und dem Getier das an ihnen kaut, bat der die Vögel um Hilfe. Doch keiner wollte auf der kalten, nassen, dunkeln Erde leben. Lediglich der Kiwi war sich nicht zu schade, lies das Fliegen sein und stocherte fortan nach Käfern mit seinem langen Schnabel. Dies machte zum beliebtesten Vogel Neuseelands – bis heute.

Achtung Kiwi-Vogel: Straßenschild in Neuseeland

Doch als die europäischen Entdecker, Siedler und ihre Tiere (Hunde, Katzen, Raubtiere, Ratten) anrückten, sollte sich dies noch als ziemlich blöde Entscheidung herausstellen. Noch immer beliebt, aber schutzlos und gern gefressen.

Hanna: »Schau mal Mama, der Kiwi läuft wie ein alter Mann mit krummem Rücken und ganz lustig« – wankend von einem auf das andere Bein. Heute brauchen die Kiwis die Hilfe der Menschen um nicht gänzlich auszusterben. Sie leben im Kiwi-Altersheim, ihre riesigen Eier lagern in warmen, sicheren Brutkästen und wenn man sie sehen will, hält man sich besser an die Besuchszeiten der Kiwi-Stationen und starrt mit gespitztem Auge in die Dunkelheit.

Kiwi im Krieg

Zum Wahrzeichen wird der arme Kiwi im späten 19. Jahrhundert auf neuseeländischen Regimentsabzeichen, dann auf anderen militärischen Symbolen. Kiwis wurden dann schließlich die Inselbewohner im ersten Weltkrieg genannt, weil ihre runden Stiefelwichse-Dose »Kiwi« und der kleine Vogel aufgedruckt waren.

Wer sind die Kiwis?

Hörst Du ein »Gidday!«,»How yuh doing?«, dann hast Du’s wahrscheinlich mit einem Kiwi-Menschen zu tun. Die Chancen steigen noch, wenn es Laute wie »Howareya?« von sich gibt, ohne wirklich einen Antwort von Dir zu erwarten. Dann die Wetterthemen: »Sunny enough?« »Too much rain?«. Wenn es sich zudem noch von hokey-pokey Eiskrem ernährt und pünktlich um vier Uhr seinen Arbeitsplatz verlässt um sich in den outdoorsy Lebensraum zurückzuziehen, kannst Du sicher sein: Ein echter homo kiwi sapiens sapiens steht vor Dir.

Ein echter Kiwi - Bewohner Neuseelands
Pakeha (die mit der weißen Haut in Maori-Sprache). Sie sind stolz auf ihre Heimat, aber am Boden geblieben. Sie mögen nicht zu gerne zu direkte Fragen und private Nähkästchenplaudereien.

Und was mag der Kiwi? Sie lobpreisen ihr Land oder sinnieren über das Wetter, frötzeln gegen Aussie’s (Australier). Sie reden und grillen mit Ihren Nachbarn und lieben faire Entscheidungen. Ein Kiwi macht seine Dinge selbst: Haus bauen oder vergrößern, Auto reparieren, gärtnern, backen, Alkohol ansetzen … Do it yourself! Was für mich das Gaffa-Tape ist für einen Neuseeländer sein Number 8 wire – die Allzweckwaffe schlechthin.

Kiwis lieben reisen, surfen, segeln, wandern, Football, Natur, Gummischuhe, Flip-Flops und die Kombination aus nackten Füße und warmer Daunenjacke beim abendlichen Standspaziergang. Unverständlich ist mir, wie alle diese süße L&P-Limo in sich hineinkippen können. Bläh! Üble Brühe. An Fish’n Chips habe ich mir irgendwann gewöhnt. Die 50 Hummus-Geschmacksrichtungen im Kühlregal vermisse ich.

A little lesson example of the Kiwi language. Kiws says it’s made by Aussies
Kiwis vertrauen einander: kein Auto, kein Haus oder Fahrrad wird angeschlossen. Am Staßenrand steht das Gemüse und daneben eine Dose mit Geld: Essen Mitnehmen, Geld einwerfen. Kein Kiwi, wer hier an klauen denkt. Selbst die Polizei hat keine Pistolen. Duzen darf man alles: den Polizisten, Lehrer und einen wildfremden Doktor im Krankenhaus: »Gidday Tom. How yuh doing?« / »Hi Dave! Fever since tree days.«

Es scheint aber lokale Rivalitäten zu geben – auch wenn man im Groben zwischen Auklandern und dem ganzen Rest unterscheidet.

Was man mit Neuseeländern besser nicht macht: Sie mit Australiern zu verwechseln (Jaja, Anna, ich weiß!), ihnen zu sagen, wie man Dinge zu tun hat (nicht einfach für einen besserwisserischen Deutschen) und ihre Inseln als »Das Ende der Welt zu bezeichnen« (ist es nicht??).

Last but not least: Die Kiwifrucht

Es mag überraschend klingen, aber diese Kiwis stammen gar nicht aus dem Land der Kiwis. Ufff! Man hat aber irgendwann bemerkt, dass diese importierten Früchte verdammt gut wachsen am Ende der Welt. Nur unter ihrem eigentlichen Namen Chinesische Stachelbeere war in Zeiten des Kalten Krieges im Westen mit ihnen kein Geschäft zu machen. Sibirische Gemütlichkeit, Stalin-Orgel, Chinesische Stachelbeere – ihr erkennt das Problem.

[caption id="attachment_8894" align="alignnone" width="670"]Kind in Kiwi-Plantage in Neuseeland - ReisenMila in einer Kiwifrucht-Plantage

Schlaue amerikanische Marketing-Experten hatten die Idee, sie als Kiwiberry anzupreisen. Noch schlauere amerikanische Botanisten konterten mit: »Hey, its not a berry« (Anm. des Autors: Ich versteh’s auch nicht!). Seitdem heißt es »Kiwifruit«, zumindest für alle die Englisch sprechen. Wir Deutschen haben solche phi­lis­ter­haften Probleme nicht: Ne Kiwi is ne Kiwi.

Von diesen Kiwifrüchten gibt es ungefähr 60 verschiedene Sorten mit unterschiedlicher Größe, Form, Behaarung und Farbe. Vier von fünf Kiwis in Neuseeland sind grün, der Rest meist »golden«. Goldenen Exporte sind eine Belohnung. Wir Deutschen importieren genug und kommen deswegen in den Segen der süßgoldenen Kiwis. Die Polen beispielsweise sind nur 40 Millionen, kaufen lieber Äpfel und Würstchen und bekommen deshalb zur Strafe zur die sauren, grünen Kiwis.

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Grüne, »goldene« und – ganz selten – die rote Kiwi

An einem Baum reifen 1.000 bis 2.000 Früchte. In der Erntezeit von April bis Juni werden jedes Jahr rund 20.000 Saisonarbeiter Saisonarbeiter benötigt, vor allem an der sonnigen Nort-Ost-Küste der Nordinsel. Eine gute Zeit für Work-and-Travel-Reisende: 15 Dollar bekommt man pro Sack; die meisten schaffen 10 davon pro Tag. Man ist deutlich besser dran, wenn man nicht zu groß gewachsen ist (160-170cm). Für mich (182 cm) hätte ein ganzer Tag Bücken mit dem schweren Beutel auf dem Bauch definitiv Rückenschmerzen am Abend bedeutet.

Wir haben zufällig Kiwi-Museum namens Kiwi360 mit Kiwi-Shop und einer Plantagen-Tour gefunden. Wir waren ganz alleine dort und haben somit viel geredet, gefragt, gelernt und Kiwi-Eis geschleckt.

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Für alle die schon einmal in Neuseeland waren Was ist Euer Must-See-Tipp im Kiwiland?

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